Einbauanleitung "294mm Bremsanlage für BMW E30"

Der Einbau der Bremsanlage sollte zu Ihrer eigenen Sicherheit durch einen Fachmann, also in einer Werkstatt durchgeführt werden.  Nachfolgend wird die grundsätzliche Vorgehensweise am Beispiel eines BMW 335i, (ex 320i) Bj. 87 erläutert.


Zunächst muss das Fahrzeug aufgebockt werden und die Räder an der Hinterachse demontiert werden.

Weiterhin sollte neue Bremsanlage vollständig vorliegen: 2 x Bremsscheiben inkl. Zentrierringe, 2 x Sättel komplett mit Träger, 2 x Adapter inkl. Schrauben.


Die alte Scheibe und der alte Sattel müssen demontiert werden. Die Scheibe ist mit einer kleinen Imbusschraube gesichert. Falls diese nicht mehr in Ordnung ist, einen TORX der nächst größereren Größe einschlagen, dann sollte es klappen.

Der Bremssattel ist mit zwei 17er Schrauben am Achsschenkel montiert. Es empfiehlt sich zuerst die Führungsbolzen (Imbus) zu lösen und den Sattel wegzuklappen, da man danach besser an die beiden 17er Schrauben rankommt.

Nun kann auch gleich der Zustand der Handbremsbeläge geprüft werden. Ich würde im Zweifelsfall die Beläge der Handbremse inkl. aller Kleinteile zur Befestigung (Federn usw) erneuern. Dann ist wieder für die nächsten "10 Jahre" Ruhe.


Tip: Ausgerissene und Öffnungen der Befestigungen der Backen können mit leicht modifizierten Unterlegscheiben der Trommelbremsmodelle repariert werden (BMW Teilenummer: 34 21 1 154 448)

Nun wird der Adapter 294/1 in der gezeigten Weise testweise montiert. Man kann nun erkennen, in welchen Bereichen das Ankerblech oberhalb des Adapters im Weg steht.

Der Adapter wird mit den original E30 Befestigungsschrauben montiert (mit denen vorher die Bremssättel montiert waren).

Die obere der beiden Schrauben ist zwingend um ca. 4mm zu kürzen, da sie ansonsten gegen den Sattelträger drückt und nicht festgezogen werden kann. Sie sollte im angezogenen Zustand außen bündig mit dem Adapter abschliessen.



Der Sattel kommt später in der gezeigten Lage von aussen an den Adapter
Das Ankerblech wird im oberen hinten Bereich großzügig, etwa wie im Foto links bearbeitet. Der neue Sattel wird ja entgegen der Serienlage nach oben versetzt und benötigt genügend Freiraum.

Das Ankerblech muss vorallem an der Kante (rote Pfeile) sorgfältig berarbeitet werden. Im Bereich der blauen Pfeile muss etwas tiefer eingesägt werden. Es sollte immer testweise der Adapter samt Sattel rangehalten werden und auf Freigängigkeit geprüft werden.
Wie bei größeren  Scheiben üblich muss das Ankerblech am Radius modifiziert werden. Mit einer kleinen Handsäge geht es schnell und sehr sauber. Die umlaufende Kante muss nur verkleinert werden. Aus Stabilitätsgründen sollte die Rundung noch erhalten bleiben. 
So oder ähnlich kann das fertige Ankerblech aussehen. Im unteren Bereich war es etwas rostig, weshalb etwas mehr Material abgenommen wurde.

Zum Zwecke des Korrosionsschutz ist die Kante z.b. mit einem Lackstift nachzuarbeiten.

Hinweis: Der Umbau auf das etwas größere M3 Ankerblech bringt übrigens keinen Vorteil, auch hier ist die umlaufende Kante im Weg.

Nach fertiger Ankerblechbearbeitung werden nun die neuen Scheiben montiert. Die Bremsscheiben sind zwingend zu entfetten. Die zu Transportschutzgründen vorhandene dünnen Fettschicht muss komplett runter, sonst gibt es später keine brauchbaren Verzögerungswerte.

Die neue Scheibe wird montiert und mittels der originalen Imbusschraube gesichert. Die Imbusschraube dient einzig der Montageerleichterung. Sie könnte also auch problemlos weggelassen werden. Der Zentrierring kommt in die Radnabenöffnung der Scheibe und sorgt für die nötige Zentrierung.

Nun werden die Adapter festgezogen und die Bremssättel mittels der mitgelieferten Imbus Schrauben montiert. Anzugsmoment 65Nm.

Hinweis: Die Bremsscheibe ist zwingend auf Freigängigkeit zu prüfen. Beim Beispielfahrzeug schliff beispielsweise auf der rechten Seite die Bremsscheibe ganz leicht im Bereich der Handbremsbacke am Sattelträger. Offensichtlich ein Toleranzproblem der Radnabe. Hier bitte sehr genau prüfen und ggf. den Sattelträger nacharbeitet und im Weg stehendes Ankerblech entfernen.
Auf der anderen Fahrzeugseite ist identisch zu verfahren.

Die neuen Sättel sind mit den Bremsleitungen (Original E30 Teile)  zu verbinden und die Bremsanlage ist gemäß den bekannten Vorschriften zu entlüften.


Die 294mm Bremsanlage passt unter alle Felgen ab 15".

Die BMW Original Kreuzspeiche in 7x15 wurde getestet und geht ohne Probleme über die Felge



Nach getaner Arbeit ist nun Zeit für eine Probefahrt. An der Vorderachse sollte die 312mm Anlage montiert sein.
Nach kurzer Einbremsphase werden die Vorteile der vergrößerten Anlage hinten deutlich. Die Balance zwischen Vorder- und Hinterachse ist  verbessert. Die Dosierung fällt leichter, das vorher zu schnelle Blockieren der Vorderräder ist verschwunden.

Genaue Verzögerungswerte muss ich noch schuldig bleiben. Ich denke die hervoragenden Ergebnisse (36,2m) der vom TÜV Bayern getesteten Kombination 308mm/280mm lassen sich durch größere Systeme nochmals verbessern.